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NATO-Übung könnte Grund für Walstrandungen sein

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NATO-Übung könnte Grund für Walstrandungen sein

Photo: Gabriele Schneider

Unterwasserübungen der NATO im Nordatlantik könnten der Grund für die zahlreichen gestrandeten Wale des gerade vergangenen Sommers sein, berichtet Vísir. Bislang gibt es keine gesicherten Ergebnisse, doch die Biologin und Walexpertin Edda Elísabet Magnúsdóttir von der Universität Islands sieht in den wiederholten Strandungen Hinweise darauf, dass die NATO-Übungen dahinterstecken könnten.

“Wir wissen, dass diese Unterwasserübungen im östlichen Nordatlantik und vor der Küste Norwegens stattgefunden haben, und dass die Vorfälle vor allem im östlichen Nordatlantik passiert sind. Es war vor allem auf den Britischen Inseln und Schottland, wo diese Tiefseewale gestrandet sind. Hier in Island haben wir vor allem Entenwale und Grindwale, das sind unsere am häufisten vorkommenden Tiefseewale,” erklärte Edda.

Auch auf den Färörinseln sind in diesem Sommer einige Wale gestrandet. Die Sonargeräusche der U-Boote stören das Innenohr der Wale, die darauf ihren Richtungssinn verlieren und eher Gefahr laufen, an den Strand zu schwimmen.

“Das Phänomen ist intensiv erforscht worden. Man weiss dass wenn der Wal die Sonarschallwellen beim Tieftauchen hört, er zu schnell wieder auftaucht, und schlicht und ergreifend die Taucherkrankheit bekommt, und die kann für ihn lebensgefährlich werden.”

Das isländische Meeresforschungsinstitut ist von den vielen Fällen gestrandeter Wale in Kenntnis gesetzt worden, schreibt Vísir. In diesem Jahr hatte es 30 Fälle gegeben, das ist die höchste Zahl seit 2008, als dem Institut 38 Wale gemeldet wurden. Schon länger nimmt man an dass die erhöhte militärische Aktivität in den Gewässern des Nordatlantik damit zu tun hat.

“Wir haben auch bemerkt, dass einige Arten in erhöhtem Maße an Land schwimmen, und andere dafür weniger, das könnte also ein Grund sein. Wenn man mehr Tiefseewale an einer Stelle hat, dann ist natürlich auch die Chance grösser, dass mehr von ihnen stranden. Dennoch wirft es die Frage auf, warum so vielen von ihnen in diesem Sommer so nah am Strand entlang schwimmen,” fragt sich Edda.

In einem Interview mit mbl.is denkt sie laut über weitere Gründe nach. Für denkbar hält sie eine verzweifelte Futtersuche der Meeressäuger. Das vor einer Woche gestrandete und verendete Entenwalweibchen war ganz offenbar einem Makrelenschwarm in den Faxaflói gefolgt und an Land getrieben. Eine Obduktion hatte ergeben, dass sich im Magen Reste von Makrelen befanden, einer Fischart, die Entenwale normalerweise nicht jagen. “Die letzte Mahlzeit der Walkuh hat lange zurückgelegen,” sagte Edda, “die hatte sicher schon länger gehungert.”

Für eher unwahrscheinlich hält sie vergiftete Algen. “Dann müssten wir mehr Walgruppen stranden und auch sterben sehen. Es scheint aber eher so zu sein, dass sie etwas aus dem Weg gehen oder in Furcht vor etwas sind, oder Not sind, dass sie aus ihrem gewohnten Bereich herauskommen und leicht in seichterem Meer den Richtungssinn verlieren.”

Die NATO-Übungen in diesem und im vergangenen Sommer hatten unter dem Codenamen Dynamic Mongoose im Nordatlantik stattgefunden, schreibt das Alliierte NATO Meereskommando. Sie umfassten Kriegsstrategieübungen zur Ortung und Verfolgung von U-Booten unter Wasser, vom Schiff aus, sowie aus der Luft.

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