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Island ausverkauft? Tourismusexperte mit frischen Gedanken

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Island ausverkauft? Tourismusexperte mit frischen Gedanken

Tourists on Sólheimajökull glacier.

Photo: Páll Stefánsson.

Der Tourismusexperte und Reiseautor Doug Landsky hält es für sinnvoll, dass Islands Behörden und die Tourismusbranche eine Art Buchungssystem für den Besuch der touristischen Brennpunkte im Land schaffen. Es sei wichtig, in Bezug auf die Menge an Besuchern auf die Bremse zu steigen und nicht noch weiter für einen Inselbesuch zu werben, sondern sich auf den Schutz der Insel zu konzentrieren, berichtet Vísir.

Landsky hielt seinen Vortrag “Smarter Roadmap to Manage Tourism” bei einem Treffen der isländischen Tourismusbehörden zum Thema Tourismus im digitalen Zeitalter.

“Wer von euch möchte jeden Tag zehn Reisebusse vor seiner Tür haben, mit Besuchern, die Fotos von euch und euren Kindern und dem Garten machen? Das ist das Problem: wir lieben das Geld, aber auf die Touristen sind wir nicht so scharf.” Hier habe man sich ein Problem geschaffen.

Der Besucheranstieg der letzten Jahre seit beispiellos, sagte Landsky. In all den Jahren, die er in der Branche unterwegs sei, habe er einen solchen Zuwachs noch nie erlebt, und das könne nicht gut gehen, zumal auch weiterhin viel Geld investiert werde, um Island als Reiseziel zu bewerben.

“Ich frage mich, warum ihr auch nur einen Penny darin investiert, Island gleichzeitig zu bewerben, wo der Zuwachs schon so gross ist. Das ist die Zeit, um auf die Bremse zu steigen und nachzudenken, so kann das nicht weitergehen, weil das so nicht weitergehen kann,” sagte Landsky. Das sei so, als ob man einem Kind, welches zu schnell wächst, Wachstumshormone gibt.

In seinem Vortrag ging es unter anderem um “overtourism”, einen Zustand an touristisch interessanten Orten, wo Einheimische wie Touristen sich durch die hohe Besucherzahl bedrängt fühlen. Es gebe Hinweise, dass Touristen zunehmend mit der hohen Zahl an Touristen unzufrieden seien.

Landsky bot als Vergleich eine Kreuzung an, wo sich an jedem Morgen ein Stau auf dem Weg zur Arbeit bilde, während andere Strassen ungenutzt blieben. So könne man sich den Süden und Südwesten des Landes vorstellen.

Er war jedoch auch der Ansicht, dass sich der Tourismus eher im Ungleichgewicht befinde. Es sei genug Platz für die Touristen da, wenn man sie besser verteile, und ihnen etwa bessere Möglichkeit biete, den Norden direkt anzureisen, damit nicht alle über den gleichen Flughafen gelotst werden müssen und die gleichen Kurzzeittrips wie Blaue Lagune und Goldenen Kreis buchen.

Der Gedanke, immer mehr Touristen nach Island zu locken, sei veraltet. Niemand wolle ernsthaft, dass die Tourismusbranche das gesamte Bruttosozialprodukt bediene, doch sei es erfahrungsgemäss schwer, eine goldene Mitte zu finden.

Um herauszufinden, wieviele Touristen Island eigentlich verträgt, bevor es Probleme gibt, sei ein Buchungssystem für empfindliche Reiseziele gut geeignet. So könne man den Besucherstrom besser steuern und verhindern, dass beliebte Orte wie Geysir und Gullfoss immer voll seien.

Für den Geysir stellte er ein Rechenexempel auf, nachdem er dort 100 Besucher zählte, die etwa eine Viertelstunde an den Quellen verbrachten. Das seien 400 Besucher pro Stunde und 4000 Besucher pro Tag. “Wenn dies das Gebiet im Golden Circle ist, welches, die wenigsten Besucher veträgt, ist dies die Grenze, die man anbieten könne.” erklärte der Tourismusexperte.

Wichtig sei dabei, dass Touranbieter das erreichte Besucherlimit auf einer Route jedesmal aufzeigten und stattdessen Alternativen anböten. So würde die Belastung besser verteilt, Nachfrage geschaffen, und gute Bewertungen gebe es auch.

Landsky glaubt, dass Island den Gedanken ausprobieren solle, die jährliche Besucherzahl auf der Insel generell zu begrenzen. Dies würde den Wert des Reiseziels steigern und spürbare Auswirkung auf das Image Islands haben. Er verglich die Idee mit einem ausverkauften Konzert.

“Wenn du versuchst, ein Ticket für das Beyoncé-Konzert zu bekommen, aber es ist ausverkauft und du bekommst keine Karte, dann findest du Beyoncé deshalb nicht schlechter. Du findest es noch erstrebenswerter, ein Konzert von ihr zu besuchen,” erklärte er. “Das hebt den Wert, wenn deine Freunde sagen “Bist du nach Island reingekommen? Ich nicht, das war voll.””

Landskys (englischsprachiger) Beitrag mit interessanten Vergleichen und Rechenbeispielen ist im eingebetteten Video nach Minute 1.40.00 zu sehen.

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