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Vulkanausbruch könnte Übertritt zum Christentum eingeleitet haben

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Vulkanausbruch könnte Übertritt zum Christentum eingeleitet haben

The lava at Holuhraun running into river Jökulsá á Fjöllum

Photo: Bernard Meric.

Forschern ist es kürzlich gelungen, den Vulkanausbruch der Eldgjá, welcher sich kurz nach der Besiedlung ereignete, exakter zu datieren. Dabei kam die Idee auf, ob der Ausbruch wohl den Übertritt Islands zum Christentum nach sich gezogen haben könnte. Ein mittelalterliches Gedicht könnte möglicherweise das Ereignis beschrieben haben und Wegbereiter für den kulturellen und religiösen Wechsel gewesen sein, schreibt RUV.

Ein Team aus Forschern und Mediävisten unter der Ägide der University of Cambridge konnte für den Vulkanausbruch, der verheerende Folgen für Islands frühe Siedler gehabt hat, ein exaktes Datum festlegen. In Bohrkernen aus dem grönländischen Eis fanden die Forschern Asche aus dem Ausbruch. Demnach begann der Ausbruch im Frühling des Jahres 939 und endete spätestens im Herbst des Jahres 940.

“Dies legt den Ausbruch in den Erfahrungsradius der ersten zwei oder drei Siedlergenerationen in Island,” erklärte Dr Clive Oppenheimer vom Geografischen Institut der Universität in Cambridge, und Autor der Veröffentlichung. “Einige der Siedler der ersten Generation, die als Kinder nach Island gekommen sind, haben den Ausbruch möglicherweise gesehen.”

Der Vulkanausbruch der Eldgjá ist als Lavastrom bekannt, ein Eruptionstyp, wo Lava sich über einen Zeitraum hinweg in einer Landschaft fliessend ausbreitet, ähnlich wie beim Ausbruch in der Holuhruan im Jahr 2014/15. Während des Ausbruchs der Eldgjá sind etwa 20 Kubikkilometer Lava an die Erdoberfläche gelangt, dazu stiegen schwefelhaltige Gaswolken auf, die bis weit nach Europa gelangten.

“Mit einem sicheren Datum für den Ausbruch fallen viele Einträge in mittelalterlichen Chroniken als mögliche Konsequenzen in ein passendes Muster, wie etwa harte Winter, schlechte Ernten, und Nahrungsmittelknappheit,” erklärt Oppenheimer.

“Das war ein massiver Ausbruch, aber wir staunen immer noch, wie ergiebig die historischen Quellen über die Konsequenzen der Eruption berichten,” sagt Co-Autor Dr. Tim Newfield vom Institut für Biologie und Geschichte der Universität Georgetown. “Menschliches Leid durch das Erwachen der Eldgjá war weitverbreitet. Vom europäischen Norden bis nach Nordchina erlebten die Menschen lange, harte Winter und schwere Dürreperioden im Frühling und Sommer.”

Es gibt keine historischen Quellen aus der Zeit, welche einen direkten Bericht über den Ausbruch liefern. Doch das mittelalterliche Sehergedicht Völuspá (Die Prophezeihung der Seherin) sieht das Ende der heidnischen Götter voraus und das Kommen eines neuen Gottes, und es beschreibt auch eine gigantische Eruption:

Schwarz wird die Sonne, die Erde sinkt ins Meer, Vom Himmel schwinden die heitern Sterne. Glutwirbel umwühlen den allnährenden Weltbaum, Die heiße Lohe beleckt den Himmel. (Vers 56, Simrock)

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Verszeilen dazu genutzt wurden, schmerzhafte Erinnerungen an den Vulkanausbruch wachzurufen.

“Ganz erstaunlich ist dieser im Augenzeugenstil gehaltene Bericht in der Völuspá,” meint Oppenheimer. “Die Interpretation des Gedichtes als eine Prophezeihung für das Ende der heidnischen Götter und ihr Weichen für den neuen Gott legt nahe, dass Erinnerungen an diesen schrecklichen Vulkanausbruch zielgerichtet genutzt wurden, um die Christianisierung Islands vorzubereiten.”

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